Wie alles begann!

Graham Smith, selbsternannter “Theatermensch zwischen den Schubladen”, setzt sich schon seit Jahren als Tänzer und Choreograph mit der Stadt Freiburg und der Möglichkeit die Sparte Tanz außerhalb der Theaterräume aufzuführen, auseinander.

Bei einem Gespräch mit Dramaturgin Caroline Brendel erklärt er uns wie alles begann: Die Zusammenhänge seiner künstlerischen Interessen und die Absichten, die er mit den bevorstehenden Dietenbach-Festspielen verfolgt.

Lageplan Dietenbach Festspiele

Zusammen mit Bernadette La Hengst und Daniel Wahl ist er für die künstlerische Leitung der Festspiele zuständig und bereichert das spartenübergreifende Angebot nicht nur mit seinen Tanzgruppen im öffentlichen Raum. Seine Hauptthemen sind Familie und die Stadt – dabei setzt er den Fokus bewusst weit weg vom Stadtzentrum und den vertrauten Räumen des Stadttheaters.

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Zuallererst faszinierte ihn der alte Stadtteil Haslach: Migration, Gentrifizierung und die Knappheit von Wohnräumen prägen das Stadtteilbild. Einerseits sieht Graham Smith noch die alte Dorfstruktur, andererseits aber entspricht Haslach schon einem heterogenem Stadtbild, welches charakteristisch für eine deutsche Großstadt ist. Nicht aber der angebliche soziale Brennpunkt interessiert ihn, sondern die Architektur und die sozialen Lebensdedingungen der Bewohner*innen fesseln ihn. Und so entstehen Stadtraumprojekte: “Haslach – deine Heimat!” kommt sehr gut an und der Finkenschlag fungiert lange Zeit als Außenspielstätte.

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Foto: Olivia Schneider

Sein Ziel ist es, langfristige und nachhaltige Strategien für Kinder und Jugendliche zu suchen und Performance im öffentlichen Raum kann laut Graham Smith eine Lösung sein, um diese Randgruppen zu integrieren. Was auch Anklang findet!

Einige Zeit später aber kommt der Gedanke weiterzuziehen: Weingarten, beispielsweise, kannte er fast gar nicht, denn die Bahnschienen fungieren wie eine Grenze zwischen Haslach und Weingarten! Das macht neugierig und so hat sich Graham Smith mittlerweile viel mit dem Westen auseinandergesetzt. Er beschreibt diesen Stadtteil ohne klares Zentrum, “das Leben spielt sich in den Hinterhöfen ab, in einem Mikrokosmos”, sagt er. Rieselfeld dagegen, mit der gleichen Straßenbahn erreichbar und nur ein paar Minuten entfernt, hat eine zentrale Allee, die an eine Blutader erinnert, “dort fließt die Energie ohne Unterbrechung”. Diese Unterschiede werfen Fragen auf: Wie plant man eigentlich Stadtteile? Mit oder ohne Menschen? Kalkuliert man soziale Umbrüche und mögliche Krisen mit ein? Und um konkret auf Dietenbach einzugehen: Wie könnte ein Stadtteil zwischen Rieselfeld und Weingarten in den nächsten zehn Jahren aussehen?

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Dietenbachpark

Als Choreograph interessiert sich Smith für die Menschen, ihren Umgang mit den architektonischen Gegebenheiten und Gegensätzen und ihren Visionen zum neuen Stadtteil Dietenbach. Bleibt es bei der Peripherie oder wäre ein neues kulturelles Zentrum möglich? Graham Smith und seine Kolleg*innen lassen ihrer Phantasie freien Lauf und es fallen Vorschläge wie ein Amphietheater oder eine Open-Air Bühne zu bauen…

Große Hoffnungen setzt er in die Festspiele, da diese ein Ort für weitere Ideen und Meinungen sind. Geimeinsam können dort Institutionen und Bewohner*innen sich ausprobieren und Visionen zum Leben erwecken. Auch wenn Graham Smiths Tanzgruppe SoLD schon Monate für die Festspiele geprobt hat, so bleibt es trotzdem das Ziel, Besucher*innen miteinzubeziehen. Ein partizipatives Festival ist der Wunsch: Es darf zusammen getanzt, gekocht, diskutiert, gesungen, experimentiert und entworfen werden.

Graham Smith selbst möchte bei den Festspielen vor allem Präsenz zeigen und auf die Menschen reagieren, die vorbeikommen. Für ihn ist das Festival eine “riesen Sozial-Choreographie”, auf die er sich freut. Unabhängig davon, ob man sich Gedanken machen möchte zum gemeinsamen zukünftigen Wohnen, oder einfach nur etwas Neues erleben möchte, jeder Mensch ist bei den Festspielen willkommen!

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Und zu guter Letzt geht es am 15. Juli dann wieder ins Stadttheater – die Festspiele kehren an ihren vertrauten Ort der Kunst zurück.