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Wie sieht das Zusammenleben der Zukunft zwischen Weingarten und Rieselfeld aus?

Die Stadt Freiburg plant, auf dem Dietenbachgelände einen neuen Stadtteil für Freiburg zu bauen. Der Architekturwettbewerb ist ausgelobt, jedoch wird in der Stadt immer noch diskutiert und gegen den neuen Stadtteil protestiert. Der Baubeginn ist ab ca. 2023 angedacht. Die an beide Seiten des Geländes angrenzenden Viertel Weingarten und Rieselfeld stehen für gegensätzliche stadtplanerische Tendenzen und Einwohnerstrukturen, die durch den neuen Stadtteil Dietenbach eine neue Nachbarschaft entstehen ließen:  

In den Sechziger Jahren wurde in Weingarten auf Plattenbauten gesetzt, um rund 10.000 Menschen mit Wohnungen zu versorgen. Gleichzeitig entstand damit ein Stadtviertel, das bis heute einen hohen Anteil an wirtschaftlich und gesellschaftlich benachteiligten Menschen beherberg. Weingarten vereint Menschen aus 90 Nationen; knapp 50% der Einwohner in Weingarten haben einen Migrationshintergrund. Es prägen eine dichte Bauweise, vielfältige soziale Probleme und Konfliktpotenzial das Wohnen in den beiden Quartieren Weingarten-Ost und –West.

Im Kontrast dazu steht das in den Neunziger Jahren konzipierte und 2007 fertiggestellte Rieselfeld — es gilt deutschlandweit als Vorbild für nachhaltige und grüne Stadtplanung. Von den mehr als 10.000 Einwohnern sind rund 70% Wohneigentümer, die sich über eine gute Infrastruktur mit Anschluss an das Stadtbahnnetz, Gymnasium, Grundschule sowie Kindergärten, Kitas und das Stadtteilzentrum „Glashaus“ freuen dürfen.

Beide Stadtviertel zeichnen sich durch ein überdurchschnittlich hohes Engagement der BewohnerInnen aus; viele verschiedene Gruppen, Initiativen und Einrichtungen setzen sich aktiv für eine gute Lebensqualität aller Generationen in ihrem Stadtteil ein. In wenigen Fällen gibt es jedoch Initiativen, die die beiden Stadtviertel miteinander in Austausch bringen.

Das performative Stadtraumprojekt „Die andere Seite – Dietenbach Festspiele“ des Theater Freiburgs versteht den Dietenbachpark als gemeinsamen öffentlicher Raum, der zusammen gestaltet und gemeinschaftlich genutzt werden kann. Während der Festspiele werden dort zusammen mit Bewohnern aus den angrenzenden Stadtvierteln künftige Formen des Zusammenlebens auf spielerische und künstlerische Weise erprobt und befragt. In der Vorbereitung auf die Dietenbach-Festspiele wurde mit einer Vielzahl an sozialen, kulturellen Einrichtungen zusammengearbeitet. Diese Zusammenarbeit für die Dietenbach Festspiele lässt die sozialen Strukturen der jeweiligen Viertel sichtbar werden und ermöglicht dadurch eine Schnittstelle, ein Zusammenkommen auf öffentlichem Raum.

 

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