Standpunkt: “…machmal entsteht der Wert auch durch die Gemeinschaft!” “

“Standpunkt” ist ein doppeldeutiger Begriff – er verweist auf einen lokalen Standort und gleichzeitig auf eine persönliche Meinung. Wenn es um Nachbarschaft geht, so fallen diese beiden Bedeutungen des Wortes Standort oft zusammen – je nachdem, wo jemand wohnt, hat er vielleicht einen anderen Standpunkt, den er vertritt.

Wir haben uns gefragt: Welche Standpunkte vertreten die Menschen, die wir auf den öffentlichen Räumen von Rieselfeld und Weingarten antreffen? Was bedeutet Zusammenleben für sie und was sind ihre Gedanken im Hinblick auf die neue Nachbarschaft, die zwischen Weingarten und Rieselfeld entstehen wird?
In Zitat-Ausschnitten geben wir kurze Einblicke in unsere Gespräche. 

Moritz (33) ist Kältetechniker, wohnt mit seiner Familie in einem Mietshaus in Rieselfeld, das aktuell von einer Mieterhöhung konfrontiert wird:

“Wir haben gerade eine Mieterhöhung bekommen, obwohl wir einen privaten Vermieter haben — und müssen uns da jetzt als Hausgemeinschaft zusammen tun.”

“Wir setzen ein Schreiben auf, das keinen rechtlichen Rahmen hat, aber was unseren Zusammenhalt dem Vermieter gegenüber spiegelt! Wir setzten also ein “Gefühlsschreiben” auf, wo wir unsere Lage schildern… in unseren Garten stecken wir Zeit rein, wir sprechen uns ab, machen uns Gedanken — das sind ja alles Werte, die halt nicht monetär gelten…Machmal entsteht der Wert auch durch die Gemeinschaft!”

“Die Alternative ist, dass die Leute wieder ausziehen müssen! Wir wären da nicht eingezogen, wenn es von Anfang an so teuer gewesen wäre. Da bleibt einem oft dann nichts anderes übrig.”

“Das haben wir auch gemerkt in der Hausgemeinschaft, dass es vor allem, die trifft, die keine zwei vollen Gehälter haben. Das sind natürlich tendenziell die Familien. Wir haben jetzt zwei 3/4 Einkommen und müssen uns echt überlegen, ob wir da bleiben können!”

“Deswegen sind es eben auch die Familien — die vielleicht sonst gar nicht so bereit wären, dagegen zu gehen — die dann aber durch die Situation herausgefordert, ja gezwungen werden.”

“Eine sehr traurige Nachricht, aber zumindest was die Gemeinschaft anbelangt, sind es schöne Entwicklungen. Wir machen auch immer wieder Treffen im Haus, Sommerfest im Garten; also die Gemeinschaft gibt es auch so – unabhängig von der aktuellen Situation.”

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Interview: Sascia Bailer
Fotos: Katja Stepputat