Standpunkt: “Haslach hat keinen Bauernmarkt. Ich glaube es gibt einfach keinen Platz dafür”

“Standpunkt” ist ein doppeldeutiger Begriff – er verweist auf einen lokalen Standort und gleichzeitig auf eine persönliche Meinung. Wenn es um Nachbarschaft geht, so fallen diese beiden Bedeutungen des Wortes Standort oft zusammen – je nachdem, wo jemand wohnt, hat er vielleicht einen anderen Standpunkt, den er vertritt.

Wir haben uns gefragt: Welche Standpunkte vertreten die Menschen, die wir auf den öffentlichen Räumen von Rieselfeld und Weingarten antreffen? Was bedeutet Zusammenleben für sie und was sind ihre Gedanken im Hinblick auf die neue Nachbarschaft, die zwischen Weingarten und Rieselfeld entstehen wird?
In Zitat-Ausschnitten geben wir kurze Einblicke in unsere Gespräche. 

Der gebürtige Kolumbianer David, 30, ist Musikwissenschaftler und arbeitet seit vielen Jahren auf dem Markt als Nebenjob. Er wohnt seit 9 Jahren in Haslach und ist sehr zufrieden.

“Es ist dort wirklich ruhig. Am Wochenende kommen die Menschen wieder zurück, gegen halb vier, da gibt es etwas Lärm. Aber das stört mich nicht. Die Nachbarn auch nicht.”

“Es ist ein Mehrfamilienhaus. So ein Mix aus Studentenwohnheim und einem normalen Haus. Es ist ein Block, das gehört einer Person, dem gehört auch ein Hotel an der Ecke. Und dort gibt es wahrscheinlich 50 Mietparteien.”

“Es wird alles diskutiert und geregelt. Es gibt auch seit einigen Jahren einen Flohmarkt in der Straße.”

“Haslach hat keinen Bauernmarkt, wir kommen daher immer nach Rieselfeld. Ich glaube in Haslach gibt es einfach keinen Platz dafür. Da ist ja alles versteckt. Theoretisch wäre es auch schön, da was zusammen zu machen, aber mal schauen…”

“Haslach hat ja einen recht schlechten Ruf. Früher, also, irgendwelche Vorfälle. Das habe ich nie erfahren! Ich fühl mich schon relativ sicher.”

“Ich spiele Cello — ich weiß nicht, ob dadurch Gemeinschaft entsteht — also in der klassischen Musikszene hier; sie ist auch nicht wahnsinnig verbreitet, ist schon auch etwas etepetete hier. Es ist meistens nicht so der große Hit.”

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Interview: Sascia Bailer
Fotos: Katja Stepputat