Standpunkt: “Drei Nachbarn haben meinen Haustürschlüssel”

“Standpunkt” ist ein doppeldeutiger Begriff – er verweist auf einen lokalen Standort und gleichzeitig auf eine persönliche Meinung. Wenn es um Nachbarschaft geht, so fallen diese beiden Bedeutungen des Wortes Standort oft zusammen – je nachdem, wo jemand wohnt, hat er vielleicht einen anderen Standpunkt, den er vertritt.

Wir haben uns gefragt: Welche Standpunkte vertreten die Menschen, die wir auf den öffentlichen Räumen von Rieselfeld und Weingarten antreffen? Was bedeutet Zusammenleben für sie und was sind ihre Gedanken im Hinblick auf die neue Nachbarschaft, die zwischen Weingarten und Rieselfeld entstehen wird?
In Zitat-Ausschnitten geben wir kurze Einblicke in unsere Gespräche. 

Barbara Denz, 52, wohnt seit rund 15 Jahren in Rieselfeld und ist in der Kirchengemeinde sehr engagiert. Wir haben sie auf dem Wochenmarkt getroffen, wo sie sich mit ihrer Freundin Simone Burster, 53, über Nachbarschaft unterhielt:

“Wir kennen uns über die Kirche alle. Kirche ist hier schon ein Ort, der ganz stark verbindet.

“Wir wohnen im 3. Bauabschnitt, in einer Häuserreihe mit mindestens drei Parteien, wir haben alle gute Kontakte. Heute Abend sitzen wir zum Beispiel zusammen. In der Straße gibt es einmal im Jahr ein Straßenfest.”

“Als die Kinder kleiner waren – da hat man auch die Kinder zu den Nachbarn gegeben >ich muss schnell weg – kannst du kurz aufpassen<.”

“Es gibt einige, die haben auch Schlüssel und kommen in den Ferien problemlos in unsere Wohnung. Die, die direkt neben uns wohnt, kann auch so rein ohne, dass wir es wissen. Sie sagt es uns dann hinterher, wenn sie ein Ei oder Mehl gebraucht hat. Ich hab auch Schlüssel von zwei verschiedenen Nachbarn.”

“Gegenüber Neuzugezogenen: Offenheit ist grundsätzlich da, aber der Alltag ist organisiert.”

“Bei uns gibt es ein Haus in der Straße, da kommen ständig Studis. Da grüßt man sich, aber mehr ist da nicht.”

IMG_7894

Interview: Sascia Bailer
Fotos: Katja Stepputat