Standpunkt: “Liebe ist das Fundament. Liebe ist auch die Demut”

“Standpunkt” ist ein doppeldeutiger Begriff – er verweist auf einen lokalen Standort und gleichzeitig auf eine persönliche Meinung. Wenn es um Nachbarschaft geht, so fallen diese beiden Bedeutungen des Wortes Standort oft zusammen – je nachdem, wo jemand wohnt, hat er vielleicht einen anderen Standpunkt, den er vertritt.

Wir haben uns gefragt: Welche Standpunkte vertreten die Menschen, die wir auf den öffentlichen Räumen von Rieselfeld und Weingarten antreffen? Was bedeutet Zusammenleben für sie und was sind ihre Gedanken im Hinblick auf die neue Nachbarschaft, die zwischen Weingarten und Rieselfeld entstehen wird?
In Zitat-Ausschnitten geben wir kurze Einblicke in unsere Gespräche. 

Wir sprachen mit einer Rieselfeldlerin, die ihren Namen nicht nennen möchte. Sie teilte trotzdem ihr Verständnis von Zusammenleben und Nachbarschaft mit uns:

“Gott macht eigentlich alles alleine. Da braucht man gar nichts dazu zu tun. Wenn man alles festlegt, dann ist schade – dann wird es nur noch schief gehen.”

“Für die Nachbarschaft bedeutet, dass wenn man Bedarf hat, dass man dann jemanden anruft und fragt – wo bist du? – Freunde sind ja oft weit weg, aber bei Nachbarn hätte ich nichts dagegen, wenn sie mir einen Tee machen, wenn ich erkältet bin.”

“Ich hab schon dran gedacht, dass ich auch mal gerne aktiv sein würde in der Nachbarschaftshilfe.”

“Ich wurde an Krebs operiert und ich bin zur Zeit leider nicht arbeitsfähig, aber ich bin viel in der Kirche. Ich glaube, das ist mein einziges Standbein. Von daher kommen auch meine Freunde.”

“In der Hausgemeinschaft gibt es auch Leute, die gegen mich sind. Einfach weil ich gläubig bin. Ich habe sie auch alle gerne, aber wenn sie dann so feindlich sind ohne Grund; das ist schade. Man kann auch nicht mit ihnen sprechen, weil sie Abstand von mir wollen… das tut weh.”

“Liebe ist das Fundament. Liebe ist auch die Demut. Alles so nehmen, wie es kommt. Da muss man durch. Und da ist Nachbarschaftshilfe wichtig, weil alleine kann man das nicht. Geben und Nehmen ist alles.”

“Ob man es dann umsetzten kann, das hängt von den Leuten ab, den Gegebenheiten.”

“Es muss ja nicht jeder gleich sein. Aber sich verstehen können.”

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Interview: Sascia Bailer
Fotos: Katja Stepputat